Samuel Hofstadler
Visuelle Repräsentationen von ‚Freizeit‘ in Privatfotografien der 1920er- und 1930er-Jahre
Abstract
Der vorrangige Fokus des Dissertationsprojekts liegt auf der Analyse (vergeschlechtlicher) Produktionsprozesse von Fotoalben sowie auf der Frage, wie in ihnen Freizeit verhandelt wird. Der Untersuchungszeitraum beschränkt sich auf die 1920er- und die frühen 1930er-Jahre in Österreich, eine Zeit, in der sich, bedingt durch billigere Kameras und Filmrollen sowie ein nach dem Ersten Weltkrieg wieder erstarkendes Vereinswesen, immer breitere Bevölkerungsgruppen an der Konstitution von visuellen Kulturen beteiligen können. Auch in Hinblick auf Freizeit – Arbeit wird in der privaten Fotografie meist ausgeblendet – sind zentrale Veränderungen in der Zwischenkriegszeit zu verorten, allen voran die Einführung des Acht-Stundentages, des arbeitsfreien Samstagnachmittags sowie des gesetzlich verankerten Urlaubsanspruches. Die in der Zwischenkriegszeit immer größer werdende Gruppe der Angestellten, die in ihrem ökonomischen und akademischen Hintergrund breit ausdifferenziert war, konnte besonders aktiv an den entstehenden Freizeitkulturen teilhaben. Zugleich wurden damit männliche Konnotationen von Freizeit, vor allem durch die verstärkte Präsenz junger Frauen, tendenziell brüchig.
Im Rahmen dieses Projekts, werden visuelle Kulturen in der österreichischen Zwischenkriegszeit aus einer mikrohistorischen Perspektive analysiert. Durch eine qualitative Untersuchung privater Fotoalben wird ein differenzierter Blick auf visuelle Kulturen als Verhandlung verschiedener mit unterschiedlichen Handlungsspielräumen ausgestatteten Akteur_innen, ermöglicht. Die Analyse von privaten Fotografien sowie dem Anlegen von Fotoalben als Akte der Bedeutungsproduktion ermöglichen Fragen der Rezeptionen zeitgenössischer soziokultureller oder politischer Diskurse bzw. danach, wie breit angelegte visuelle Ordnungen bei einzelnen Menschen ankommen und wie diese in ihren visuellen Narrationen damit arbeiten. Damit wird nicht nur die agency von Akteur_innen in den Blick genommen, sondern es wird auch nachvollziehbar, wie gesellschaftliche Diskurse, Hierarchien und Ordnungen in Selbstbilder eingeschrieben werden, im Bild verkörpert und in der Bildanordnung narrativ verarbeitet werden und so ihre volle Wirkmacht entfalten konnten.
Anstellung: ELF Junior Fellow Institut für Geschichte/AB Kultur- und Geschlechtergeschichte
Betreuung: Univ.-Prof.in Mag.a Dr.in Heidrun Zettelbauer