Claudia Mühlbacher
Eine geschlechterhistorische Analyse von Kinderlosigkeit und Mutterschaft im Diskurs der Frauenbewegung um 1900 in der Habsburgermonarchie
Abstract
Das Dissertationsprojekt untersucht Kinderlosigkeit und Mutterschaft im Diskurs der Frauenbewegung in der Habsburgermonarchie im Zeitraum von etwa 1850 bis 1915. Im Zentrum steht die Frage, welche Bedeutungen Kinderlosigkeit innerhalb der Frauenbewegung erhielt und wie Mutterschaft im politischen und gesellschaftlichen Kontext umgedeutet wurde.
Als zentrale Quellen dienen Vereinszeitschriften der Frauenbewegung, die als Orte diskursiver Aushandlung fungierten. Ergänzend werden (abhängig vom weiteren Forschungsverlauf) zusätzliche zeitgenössische Materialien und biografische Dokumente herangezogen, um die Wechselwirkung zwischen öffentlichem Diskurs und individuellen Lebensrealitäten zu erfassen. Methodisch verbindet die Arbeit eine geschlechterhistorische Perspektive mit einer diskursanalytischen Herangehensweise.
Ziel ist es, normative Vorstellungen von Mutterschaft und Weiblichkeit offenzulegen und zu zeigen, wie kinderlose Frauen sichtbar gemacht oder marginalisiert wurden. Kinderlosigkeit wird dabei sowohl als gelebte Praxis als auch als Spannungsfeld gesellschaftlicher Erwartungen verstanden.
Darüber hinaus wird untersucht, inwiefern Mutterschaft rhetorisch neu gefasst wurde, um Bildung, soziale Reformen und politische Teilhabe von Frauen zu legitimieren. Indem auch biografische Perspektiven einbezogen werden, analysiert die Arbeit das Verhältnis zwischen öffentlichem Diskurs und individuellen Lebensrealitäten.
Kinderlosigkeit erscheint so als Irritation normativer Vorstellungen eines potenziell mütterlich gelesenen weiblichen Körpers und als Ansatzpunkt für deren Neuverhandlung.
Betreuung: Univ.-Prof.in Dr.inphil. Mag.a Heidrun Zettelbauer